„Vergessen wird man’s nicht“

In der Nacht, in der ganz Österreich und weite Teile der Welt nach dem Terroranschlag schockiert nach Wien blickten, liefen hinter den Kulissen der connect724 die Telefone heiß. Wie die Zustellpartner ihre Angst überwanden und beinahe pünktlich die Wiener mit gedruckten Nachrichten versorgen konnten. Nachgefragt bei Teamleiterin Daniela Basler und Gebietsleiter Daniel Senjic.

 

Um die Zeit, als am 2. November der Terroranschlag in Wien schrittweise in seinen Ausmaßen publik wurde, schläft Daniel Senjic normalerweise schon. So auch an diesem Abend, bis der connect724-Gebietsleiter in Wien von seiner Frau nochmals geweckt wurde: „Es war gleich zu verstehen, dass da leider etwas Großes passiert, im negativen Sinne“, sagt Senjic über die ersten Nachrichten, die durchsickerten. Der Beginn einer Nacht im Zeichen der Angst, der Unsicherheit, mit enormen organisatorischen Ansprüchen an die Zeitungszustellung. „Ich habe lange mit Kollegen beraten, wir haben abgewartet, ob etwa die Zeitungen überhaupt rechtzeitig produziert werden und was da weiter passiert und welche Schritte wir setzen müssen.“ Es gab viel zu steuern, sagt Senjic, der seit 2005 in der Unternehmensgruppe tätig ist, aber: „Ich war zu Hause und habe das von dort aus organisiert. Ein großes Lob und ,Hut ab‘ vor unseren Zustellpartnern und Qualitätsbeauftragten vor Ort, sie haben das wirklich großartig gemeistert!“

Denn: „Schnell war klar, dass viele von unseren Zustellpartnern – ich schätze, es waren rund 90 Prozent – bereit waren, die Zeitung auch in dieser Ausnahme-Nacht zuzustellen. Das ist sicher nicht selbstverständlich. Die Zustellpartner haben jeweils selbst entschieden, was ihnen persönlich möglich ist und was nicht.“ Die für viele gewohnte Verbindung mit den Öffis – ob Nachtbus oder U-Bahn - von ihrem Wohnort hin zum Abwurfplatz, wo sie ihre Zeitungen erhalten, war aber teilweise in dieser Nacht unterbrochen. Was also tun? „Unsere Qualitätsbeauftragten haben kurzerhand einige Zustellpartner von zu Hause abgeholt, damit sie ihrer Tätigkeit nachgehen können.“ Und das unter unglaublich herausfordernden Bedingungen. Schließlich habe man die ganze Nacht über nicht gewusst, ob da nicht noch mehr passieren würde. „Man kann ja niemanden zwingen, sich in Lebensgefahr zu bringen“, betont Senjic. „Ein Abwurfplatz, wo sich 10 bis 20 Zustellpartner treffen und zusammenstehen, wo die Straßen sonst leer sind, wäre ein leichtes Ziel.“ Dass alles in allem aus dem gewohnten Start der Zustellung um 2.30 Uhr schließlich mancherorts 5 Uhr wurde, war ohnehin kein Thema, übrigens auch für die Leserinnen und Leser nicht. Und die Nacht, der Anschlag an sich? „Der war bei unseren Teams natürlich auch noch die Nacht darauf sehr präsent, aber dann hat sich das Ganze wieder etwas gelegt“, so Senjic: „Die Zustellpartner haben das bisher gut verdaut.“

Ähnlich sieht das auch Daniela Basler. Als Teamleiterin der Netzwerksteuerung bei der connect724 war auch sie die Nacht über mit Expediten und auch Kunden in Kontakt: Was tun, wie ist die Lage? Zusätzlich die persönliche Sorge: „Eine Freundin von mir war direkt am Schwedenplatz unterwegs. Die Leute vor Ort hatten ja gar keine Ahnung, was da gerade passiert und bekamen keine Infos.“ Und auch für die Zustellpartner war es keine leichte Aufgabe, die da zu bewältigen war: „Natürlich war da auch Angst und unsere Leute haben alles Menschenmögliche getan.“ Die gewohnte Tour – ausgehend von den Wiener Außenbezirken – konnte aber weitgehend absolviert werden, bis auf den ersten Bezirk und umliegende Gebiete, die schlichtweg gesperrt waren in dieser Nacht. Und auch Basler, seit 2004 im Unternehmen, bestätigt: „Die Situation hat sich inzwischen normalisiert, viele andere Dinge sind wieder im Vordergrund. Man versucht eben, das normale Leben wieder aufzunehmen, trotz Lockdown.“ Es geht weiter – „aber vergessen wird man’s nicht“.

 

Fotos (c): connect724