Orientiert am Menschen

Die Styria Media Group ist eine auf Zukunft ausgerichtete, an Grundwerten orientierte, Aktualität repräsentierende und zugleich traditionsreiche Unternehmensgruppe. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Medien Gegenwart mitgestaltet und zugleich Geschichte geschrieben. In der Unternehmensgeschichte der Styria spiegeln sich die politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Entwicklungen seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in besonderer Weise wider.

"Fide, Arte, Industria"

Die Geschichte des Unternehmens Styria begann mit der Gründung des Katholischen Preßvereines im September 1869 in Graz. In einem brisanten Umfeld wagten steirische Katholiken die Initiative zu einer eigenen, modernen Medienarbeit. Ihre Motivation in einer Zeit kulturkämpferischer Grundstimmung war klar definiert: Widerstand gegen diese Entwicklung zu leisten und Aufklärung durch publizistische Tätigkeit zu betreiben. Mit ihren Zeitungen, Zeitschriften und Büchern trug die Styria in der Folge zur politischen und geistigen Emanzipation vieler Menschen bei.

Die Qualität ihrer Arbeit und Produkte, eine ausgewogene Balance von Humanität und Effektivität in der Organisation sowie die Berücksichtigung der neuesten technischen Standards machten die Styria auf dem Druckerei-, Buch- und Pressemarkt zu einem Begriff. Eine wichtige Grundlage für den Erfolg bildeten die Großzügigkeit und der Weitblick des Eigentümers, der als unabhängiger, eigenverantwortlicher Verein die erwirtschafteten Gewinne zur Gänze in das Unternehmen reinvestierte und so eine nachhaltige Wertschöpfung ermöglichte. Die Leitprinzipien des Unternehmens in jenen Jahren lauteten "Fide, Arte, Industria".

Licht und Schatten

Einen besonderen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte stellte die Gründung der Kleinen Zeitung im Jahr 1904 dar. Sie wurde als Tagblatt für eine breite Masse konzipiert und suchte die Nähe zu den Menschen, ganz unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, Bildung und religiösen oder politischen Gesinnung. Der Erfolg gab dieser Idee recht: unter der populären Bezeichnung "Kreuzerfrosch" wurde die Kleine Zeitung schnell zu einem unverzichtbaren Lebensbestandteil für breite Bevölkerungsschichten. Am Puls der Zeit und am Puls der Menschen sein, Vertrauen bilden und rechtfertigen, umfassend berichten und unterhalten, ohne dabei auf ein eigenständiges, geistiges Profil zu verzichten – das war und ist bis heute das Erfolgsrezept der Kleinen Zeitung und vieler anderer Styria-Medien.

 Auch nach dem Übergang von der Monarchie in die Republik begleiteten die Zeitungen und Bücher der Styria das private und öffentliche Leben mit Information, Kritik und Orientierung. Die wirtschaftlichen Turbulenzen der Hyperinflation in den 1920er-Jahren zeigten ebenso wie die zunehmende politische Polarisierung im Lande auch im Unternehmen selbst Wirkung. Mit ihrer grundlegenden Ausrichtung an christlichen Werten war die Styria den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. So wurden die Preßvereinsanstalten schon am Tag des "Anschlusses" Österreichs an das Deutsche Reich durch die Gauleitung der NSDAP beschlagnahmt. Es kam zu Verhaftungen, Entlassungen und der "Gleichschaltung" der Zeitungen.
 
Der Katholische Preßverein wurde in den mit NS-Parteimitgliedern besetzten Preßverein Graz umgebildet. Um den Bruch mit der Tradition und Kultur des Unternehmens zu dokumentieren, eliminierte man den Namen Styria aus allen offiziellen Firmenbezeichnungen. Die ganze Brutalität des Vorgehens zeigte sich am persönlichen Schicksal des früheren Styria-Generaldirektors Karl Maria Stepan, der – neben vielen anderen – für seine Überzeugungen bittere Jahre in Gefängnis und KZ durchleben musste.

Lehren aus der Geschichte
 
1945 kehrte Stepan – ungebrochen, dialogfähig und versöhnungsbereit – in die Styria zurück, wo er sich mit der ganzen Kraft seiner geistigen und moralischen Autorität für den Neuaufbau des Unternehmens einsetzte. Als 1948 die Kleine Zeitung wieder auf den Markt gebracht werden konnte, war – bei aller Unsicherheit in ökonomischen Fragen – die grundsätzliche Programmatik unumstritten. Den Lehren, die man aus der jüngsten Geschichte gezogen hatte, sollte eine starke Stimme gegeben werden: Unabhängigkeit von allen parteipolitischen und wirtschaftlichen Machtgruppen, Unterstützung der parlamentarischen Demokratie, Förderung des Gedankenaustauschs zwischen den wesentlichen geistigen Strömungen der Zeit und – gleichsam im Kern – der Schutz des Humanum.
 
Dass solch ein anspruchsvolles Vorhaben über weite Strecken Wirklichkeit werden konnte, war vor allem jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken, die dafür in Denken und Handeln einstanden – auch wenn es unbequem war. Wohl kaum zufällig haben Publikum und Kritiker den Publikationen des Styria-Verlages einmal das Prädikat "mutige Bücher" verliehen. Dabei gehörte es schon früh zu den Grundprinzipien der Unternehmensphilosophie, dass kritische, unabhängige Berichterstattung und Sinn-Stiftung nur dann wirksam werden können, wenn sie mit unternehmerischer Stärke gekoppelt und ökonomisch abgesichert sind. Diese innere Verbindung von inhaltlichem Anspruch und wirtschaftlichem Erfolg wurde in der Styria stets als die eigentliche verlegerische Herausforderung verstanden. Für dieses Modell, in dessen Rahmen sich das Unternehmen seit langem etwa für die beiden Qualitätszeitungen Die Furche und Die Presse engagiert, stehen in besonderer Weise die Namen von Hanns Sassmann, Fritz Csoklich und Julius Kainz.
 
Kontinuität im Wandel
 
Auf dieser Grundlage und unter einer neuen Generation von Führungskräften wurde ab Mitte der 1990er-Jahre das klassische Druck- und Verlagshaus Styria in ein modernes Medienunternehmen umgebaut und neu aufgestellt. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1997 schuf dafür geeignete, zeitgemäße Strukturen. Die Eigentümerverantwortung wird seither zum überwiegenden Teil von der gemeinnützigen Katholischer Medien Verein Privatstiftung getragen. Unter der Leitung von Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender von 1999 bis September 2010, fokussierte die Styria alle unternehmerische Aufmerksamkeit und Kompetenz auf die Inhalte. Diese Neuorientierung war und ist von einem strategisch begründeten, dynamischen, gleichwohl kontrollierten Wachstum begleitet, das durch zahlreiche Unternehmensgründungen, Akquisitionen und Beteiligungen auf dem nationalen Markt und – seit 2001 – auch in Südosteuropa, vor allem in Kroatien und Slowenien, dokumentiert wird. Der aktuelle Vorstand setzt diesen Weg konsequent fort, freilich mit neuen Akzentuierungen. Mit einer kooperativen Unternehmenskultur und in klaren strategischen Stoßrichtungen sollen die starken Marken der Styria gestärkt, Kosten und Effizienz aktiv gemanagt und der Anteil des digitalen Geschäfts deutlich ausgebaut werden, um die ganze Kraft der Unternehmensgruppe für den gemeinsamen Erfolg zu mobilisieren.
 
Als Medienunternehmen hat sich die Styria stets auf Augenhöhe mit dem Zeitgeschehen bewegt – und dabei ihr Metier permanent neu erfunden. Die Geschichte der Unternehmensgruppe zeigt, dass die Herausforderungen der jeweiligen Zukunft immer wieder Veränderungen, ja Neuanfänge provoziert haben. Konstruktiv und kreativ im Geistigen, intelligent und verantwortungsbewusst im Ökonomischen, offensiv und reflektiert im Unternehmerischen. Konstant geblieben ist dabei das Wertefundament, die Ausrichtung am Menschen und seiner Würde. Im Core Purpose und in den Core Principles wurde diese Unternehmensverfassung Anfang 2012 festgeschrieben und offen gelegt. Als Kompass und Korrektiv auf dem Weg in die Zukunft.