„Philosophie ist keine Selbsthilfetherapie“

VON PHILIPP LACKNER

„Philosophieren mit Hirn“: Wie ist der Podcast überhaupt entstanden?

LISZ HIRN: Über Umwege! Beim Podcast-Label „Oh Wow“ war ich schon einmal als Gast. Die Chefin des Labels, die tolle Jeanne Drach, wollte mit mir ein Format entwickeln, gleichzeitig ist der Molden-Verlag mit demselben Wunsch an mich herangetreten. So hatte ich zwei Angebote, aus denen dann die beiden Interessenten ein gemeinsames Projekt auf die Beine gestellt haben. Aber was das Thema Podcast angeht bin ich ins kalte Wasser geworfen worden. Ich hätte im Dezember nicht gedacht, dass ich das mache. Jetzt freue ich mich, auf diese Art Philosophie ein Stück weit zugänglicher zu machen.

Wie wird so eine Folge produziert?

HIRN: Die erste Folge entstand noch in einem Studio in Wien, die zweite, dritte und vierte dann sozusagen in meinem Exil im Waldviertel.

Auch unter einer Samtdecke, wie es andere Kolleginnen aus dem Podcast-Genre derzeit machen?

HIRN: Nicht unbedingt, aber ich helfe mir mit Vorhängen für die Akustik. Die Folgen produziere ich hier mit einem Profi-Diktiergerät auf einem Tischchen. Die zweite und dritte Folge waren wirklich ein Experiment, aber das ist eben der aktuellen Ausnahmesituation geschuldet. Aber ich hoffe natürlich, dass wir demnächst wieder in Wien neu starten können. Die Postproduktion übernimmt übrigens die Chefin von „Oh Wow“ selbst.

Im Molden-Verlag aus dem Hause STYRIA haben Sie ja auch schon zwei Bücher publiziert. Wie läuft die Zusammenarbeit?

HIRN: Sehr gut. Was mir gefällt, ist die Tatsache, dass man bei Molden sehr Feedback-orientiert arbeitet, dass man sich traut, Sachen anders anzugehen, etwas auszuprobieren, dabei aber nicht oberflächlich wird und immer zusieht, dass der Inhalt etwas hergibt. Das ist für meine Sparte natürlich sehr wichtig.

Wie kann man philosophische Themen in doch recht kurzer Podcast-Zeit unterbringen?

HIRN: Natürlich steht uns nur eine gewisse Zeit zur Verfügung. Da ist es nicht möglich, eine umfassende Antwort zu geben. Aber ich versuche schon, qualitativ hochwertigen Input zu liefern und mich zumindest an die Materie heranzutasten.

Wie ist ihr Feedback nach bisher vier Folgen?

HIRN: Ein positives. Ich würde es ein gelungenes Experiment nennen. Ich war nie eine professionelle Podcasterin, aber ich lerne mit jedem Mal dazu.

Ihre Hörer sind ziemlich durchmischt, oder?

HIRN: Männer, Frauen, Junge, Alte, alle Altersgruppen, aber fragen Sie mich nicht über die genauen Zahlen – die sind mit nicht so wichtig. Wichtig ist mir, dass ich mit dem Podcast Bevölkerungsgruppen ansprechen kann, die bislang nichts oder nur wenig mit Philosophie am Hut hatten. Philosophische Fragen sind es einfach wert, diskutiert zu werden. Angst, Liebe, Faulheit, Geld – die meisten sind ja zeitlos.

Stichwort Interaktion: Die Fragen kommen ja aus dem Publikum: Nach welchen Kriterien wählt ihr aus?

HIRN: Wir schauen, ob sich Fragen wiederholen und versuchen, aktuell zu sein und auch andere Gedankengänge zu Fragen zu überlegen, die nicht so auf der Hand liegen. Manchmal brechen wir eine Frage auch herunter und verleihen ihr ein humorvolles Element.

Ist Philosophie eine Art Popkultur geworden, besonders in Krisenzeiten?

HIRN: Natürlich tauchen heute Philosophen in diversen Medien auf, weil man auf ihr Wissen und ihre Expertise zurückgreift. Aber Philosophie ist keine Selbsthilfetherapie. Es gibt nicht DIE Antwort.

Was halten eigentlich Ihre Hörer vom Ihrem Podcast?

HIRN: Viele bedanken sich, manche schlagen Fragen für die nächste Folge vor, einige stellen auch mir persönlich Fragen, wie ich das eine oder andere Thema sehe. Unlängst hatte ich sogar eine virtuelle Klassenkonferenz mit einem Philosophie-Lehrer und seinen Schülern.

Und was kommt nach der ersten Podcast-Staffel?

HIRN: Es könnte Schluss sein. Es könnte aber auch eine zweite oder dritte Staffel kommen. Ich habe mich noch nicht entschieden! Mittlerweile macht das Podcasten richtig Spaß - deshalb wird in einer der nächsten Folgen auch passend dazu das Thema Humor vorkommen.

Hier geht es zur Podcast-Reihe „Philosophieren mit Hirn“.

Foto: Eisenberger