Neue DIVA-Chefredakteurin Yasmin El Mohandes: „Stil hat mit Werten und Nachhaltigkeit zu tun“

Yasmin El Mohandes im Interview über ihre Pläne als Chefredakteurin von DIVA und DIVA Wohnen, den Wert von Print, die Frage, was guten Stil ausmacht und warum sie es dabei durchaus mit Coco Chanel hält.

VON MARGOT HOHL

Wenn du die DIVA jemandem beschreiben müsstest, der sie nicht kennt ...
Yasmin El Mohandes: Wir sind ein Hochglanz-Magazin mit aufwendigen Fotostrecken und journalistischer Textqualität. Wir verstehen uns als Geschichtenerzähler in der Welt des Stils und berichten über Mode, Beauty, Luxus, Reise und Design.

Und was macht die DIVA dabei einzigartig?
El Mohandes: Schon allein die Tatsache, dass es uns seit mehr als 30 Jahren gibt. Die DIVA ist somit fixer Bestandteil der österreichischen Luxusbranche. Wir sind so fest verankert wie kein anderes Magazin. Wir sind ein kleines, feines Team, das mit viel Herzblut arbeitet und reich an beruflicher Erfahrung ist. 

Wie lange bist du schon mit der DIVA und mit Journalismus generell verbunden?
El Mohandes: Was neben dem Studium der Psychologie als Studentenjob (im Jahr 2000) angefangen hat, wurde bald zur Passion. Ich war beim WirtschaftsBlatt immer schon für die schönen Dinge des Lebens zuständig, also weit entfernt vom Bilanz lesen. Ich verantwortete die Kultur-, Gourmet- und Reiseseite und war zuletzt auch stellvertretende Chefredakteurin des WirtschaftsBlatt DELUXE-Magazins. In diesem Zusammenhang wurde auch die DIVA auf mich aufmerksam, und so passte es ganz gut, dass ich Workaholic bin und vereinte zwei Jobs zu einem. Im selben Jahr kam dann auch gleich die DIVA WOHNEN dazu, die ich mittlerweile seit zwölf Jahren als Chefredakteurin führe. 

Inwiefern hat sich die DIVA durch Corona gewandelt?
El Mohandes: Corona hat uns alle mehr zum Nachdenken gebracht. Wir mussten wie die WIENERIN mit zwei Ausgaben pausieren. Den Stillstand nutzten wir, um uns Gedanken zu machen: In den Jahren seit der Gründung der DIVA war es mehrfach notwendig, die Ausrichtung des Magazins zu überarbeiten, um für LeserInnen und WerbekundInnen relevant zu bleiben. Wir wollen einen umfassenderen Erlebnishorizont bedienen und unseren Content aus den stark mode-affinen Bereichen erweitern und von reiner Mode hin zur Frage des Stils kommen. Denn unter uns gesagt: Wer will keinen Stil haben? 

Stil wird in der DIVA also nun neu definiert bzw. breiter gefasst – was sind die Hintergründe?
El Mohandes: Eine wichtige Rolle bei dem Thema Stil kommt den DIVA-Stilisten zu, die in ihren Branchen führend sind. Sie werden uns über ihre Neuentdeckungen und Trends auf den News-Seiten berichten. Ich könnte mir etwa Barbara und Steffi Eselböck bei Gourmet und Lilli Hollein bei Design vorstellen, die uns mit ihrer Expertise unterstützen.

Wie reagieren denn eure Kunden und Partner auf diesen Wandel?
El Mohandes: Durchwegs positiv. Bereits die DIVA September Issue, die ich als interimistische Chefredakteurin verantwortet habe, hatte die „Neuen Werte“ zum Hauptthema. Das hat im Vorfeld bereits für Interesse gesorgt. So haben beispielsweise die ORF-Seitenblicke unser Covershooting begleitet. Der internationale Künstler Franz-Josef Baur hat für uns zu dem Thema eigens eine Korsage gefertigt. 

Und was habt ihr digital geplant?
El Mohandes: Wir werden weiterhin natürlich alle Kanäle (online, Instagram, facebook), soweit es die Ressourcen zulassen, bespielen, aber die Haptik von Print ist für mich etwas ganz Besonderes.

Wenn es wieder möglich sein wird: Sind auch Events angedacht?
El Mohandes: Auf jeden Fall! Wir wollen unsere DIVA WOHNEN Veranstaltungsreihe Dinner & Talk weiterführen. Mit der DIVA Store-Openings begleiten und dort dabei sein, wo guter Stil gefragt ist.

Inwiefern ist die DIVA mit der WIENERIN verknüpft?
El Mohandes: Vorweg möchte ich Birgit Brieber gratulieren. Sie ist eine ganz tolle Kollegin, mit der es sich super zusammenarbeiten lässt. Die DIVA wird ab heuer zusätzlich mit der WIENERIN im Bundle verkauft und an 12.000 AbonenntInnen der WIENERIN verschickt.

Wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben (Mode, Wohnen, Schreibstil, Führungsstil)?
El Mohandes: Mode: Klassisch zeitlos. Ich trage hauptsächlich schwarz, wobei die Accessoires ruhig farbintensiv sein können. Ich liebe Schals und Tücher. Mein Wohnstil ist eine Mischung aus Jugendstil und modernen Designstücken. Ich liebe den Wiener Altbau, Parkettboden, meine Thonetstühle und etwa meine Stehleuchte von Cappellini oder die Schränke von Poliform. 
Mein Führungsstil ist auf jeden Fall teamorientiert. Und Schreibstil? Das müssen – glaube ich – unsere Leser beurteilen. 

Was hast du dir denn gedacht, als du das Angebot zur Chefredakteurin bekommen hast? Wie hat dein Team reagiert?
El Mohandes: Da ich ja bereits seit April vergangenen Jahres interimistisch als Chefredakteurin tätig war, war die Frage des Teams einfach nur: „Wann wird es jetzt endlich offiziell?“ Natürlich habe ich mich sehr gefreut, als wir mit Beginn diesen Jahres den Vertrag unterzeichnet haben, die Teamfeier wurde jedoch durch Corona jetzt mal verschoben.

Hast du Vorbilder in Sachen Stil?
El Mohandes: Die reichen von Jung bis Alt. Von Lotte Tobisch bis zur 22-jährigen US-Schriftstellerin Amanda Gorman, die sich mit Themen von Unterdrückung, Rassismus bis Feminismus auseinandersetzt. Und natürlich Menschen, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin – von meiner Großmutter angefangen bis hin zu Persönlichkeiten, die ich beruflich kennenlernen durfte.

Was ist Stil denn überhaupt?
El Mohandes: Da halte ich es mit Coco Chanel: „Mode ist vergänglich, Stil niemals.“ Das heißt, Stil hat für mich viel mit Werten und Nachhaltigkeit zu tun, aber auch mit Haltung: Das unterstreicht auch ein zweites Zitat von Coco Chanel: „Achte auf die Frau im Kleid, wenn man die Frau nicht sieht, ist das Kleid bedeutungslos.“

 

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