"Navigator": das neue Online-Zeitreise-Tool der Wochenzeitung FURCHE

Wenn die „FURCHE“ von einer Zeitreise spricht, lässt das aufhorchen. Nachgefragt bei Chefredakteurin Doris Helmberger-Fleckl.

Die FURCHE hat ab sofort auf ihrer neuen Website www.furche.at einen „Navigator“. Er fungiert als eine Art Zeitmaschine, die tief in die FURCHE-Geschichte zurückführt und mittels Algorithmen Zusammenhänge herstellt. Für die Praxis heißt das: Jeder Artikel hat eine eigene Zeitleiste, auf der andere Beiträge angezeigt werden, die mit diesem Artikel in einem inhaltlichen Zusammenhang stehen. „Es ist also keine simple Schlagwortsuche, sondern wesentlich mehr“, so FURCHE-Chefredakteurin Doris Helmberger-Fleckl. „Das Ziel ist, bei aktuellen Diskursen historische Dimensionen zu entdecken, Ähnlichkeiten oder auch Brüche festzustellen und dadurch neue Perspektiven zu gewinnen. Und ja: Man darf sich bei dieser spannenden Expedition auch gern ein bisschen verlieren.“ Derzeit geht die Reise zurück bis ins Jahr 1999. Im Endausbau, so Helmberger-Fleckl, soll dies bis 1945, dem Gründungsjahr der nunmehrigen Styria-Wochenzeitung, möglich sein.

Zudem stellt die Redaktion auf der Website regelmäßig zu aktuellen Themen selbst kuratierte „Diskurspakete“ aus neuen Beiträgen und Schätzen aus dem Archiv zusammen. Die aktuelle Palette reicht vom Thema „Klimawandel“ über die Vision von „Schwarz-Grün“ bis zur hitzigen Debatte über den neuen Literaturpreisträger Peter Handke. Was die Menschen eben bewegt.

Der FURCHE-Navigator biete jedenfalls die Möglichkeit, Veränderungen in öffentlichen Debatten wahrzunehmen. Oder auch zu sehen, was überraschend gleichgeblieben ist. „1998, nach der Klimakonferenz in Kyoto, hat es zahlreiche Warnungen gegeben. Vieles, was heute gefordert wird, wurde schon damals eingemahnt – nur eben ohne Konsequenz“, sagt Helmberger-Fleckl. Andere Diskurse wiederum hätten sich deutlich gewandelt, etwa der (mediale) Umgang mit dem Islam oder auch mit dem Thema Terrorismus.

Die digitale Strategie von der Idee bis zur Umsetzung des neuen Navigators stammt von FURCHE-Geschäftsführerin Nicole Schwarzenbrunner, betont Helmberger-Fleckl. „Auf die Frage nach dem USP, dem besonderen Schatz der FURCHE ist ihr rasch klar geworden, dass das auch unsere Geschichte ist, unsere Köpfe sind.“ FURCHE-Gründer Friedrich Funder, Thomas Bernhard, Václav Havel, Heinz Fischer, Kardinal König, Friederike Mayröcker, Erhard Busek, Barbara Coudenhove-Kalergi oder Josef Hader - sie alle haben für die FURCHE geschrieben. Und so manche Schätze habe man bereits 2005 bei der 60-Jahr-Feier der Wochenzeitung gehoben.

Der FURCHE-Navigator ist zweifellos das Herzstück der neuen digitalen Strategie. In den sozialen Medien (Facebook, Twitter, Instagram) ist man aber schon seit geraumer Zeit sehr aktiv. „Diese Kanäle werden schon länger von den Kolleginnen und Kollegen bespielt, aber durch die neue, innovative Website gibt es jetzt natürlich noch ganz andere Möglichkeiten“, so Helmberger-Fleckl. Auch wenn es in der redaktionellen Arbeit Schwerpunkte gibt: Ziel ist, dass alle Redakteurinnen und Redakteure analog und digital zusammendenken und das Beste und Spannendste für die Leserinnen und Leser herausholen.

Seit August steht Doris Helmberger-Fleckl der FURCHE als Chefredakteurin vor. „Mein Blickwinkel hat sich seither natürlich verändert, ich habe jetzt auch mehr Bälle in der Luft. Das ist eine gewisse Herausforderung, denn neben dem Alltag in der Redaktion und der Website haben wir ja auch das Printprodukt etwas verändert.“

Konkret wird es wieder drei Bücher geben: Journal, Kompass und Feuilleton.

„Man hat wieder mehr in der Hand und mehr Übersichtlichkeit, auch wenn der Umfang von 24 Seiten gleichbleibt“, so Helmberger-Fleckl. Auch wurde im Buch „Kompass“ der Fokus auf den Diskurs deutlich verstärkt – mit einer eigenen Doppelseite. Neben einem „Pro & Contra“ gibt es hier auch die neue Rubrik „Diesseits von Gut und Böse“, in der Gastautorinnen und -autoren grundsätzliche ethisch-philosophische Gedanken zu aktuellen Themen publizieren können. Und das gern auch pointiert. Im Feuilleton wird es außerdem noch zwei neue Kolumnen geben: eine über „Animal Spirit“ und eine über „Human Spirit“.

Doch zurück zum Digitalauftritt und zur Website samt neuem Navigator: All das soll heute Abend den Gästen in der Hofstallung im MUMOK in Wien vorgestellt werden. Kein Festakt soll es sein, sondern ein Fest, ein netter Abend im Zeichen des Dialogs für rund 300 Gäste und Freunde der FURCHE. Ob Fest oder Alltag: All das geht jedenfalls nicht ohne ein gutes Team, betont Helmberger-Fleckl: „Und wir haben einfach exzellente Leute! Davon kann man sich jede Woche analog und digital überzeugen.“

 

Neugierig? Den „FURCHE-Navigator“ finden Sie hier.