„Im Shopping-Bereich spielt sich eine digitale Disruption ab“

Mehr als 28 Millionen Nutzer pro Monat: Mit dieser Reichweite ist die Offerista GmbH Marktführer im digitalen Handelsmarketing in der DACH-Region. Benjamin Thym (38) ist Geschäftsführer jener deutschen Gruppe, an der die Styria Media Group nun über die Styria Digital Marketplaces zu 20 Prozent beteiligt ist. Was er mit der Übernahme von wogibtswas.at vorhat und welche Ziele er strategisch und technisch im Auge hat, erzählt Benjamin Thym im Interview.


Wie hat sich die Kooperation mit der STYRIA ergeben?
Benjamin Thym: Die operativ tätigen Kollegen im Verkauf waren schon länger miteinander im Austausch, was wir dann später auf Geschäftsführer- und Vorstandsebene fortgesetzt haben. Daraus hat sich die Geschäftsbeziehung entwickelt. 


Was ist der aktuelle Status bei wogibtswas?
Thym: Die Restrukturierung ist abgeschlossen. Wir werden uns in Wien auf den Verkauf und auf das Produktmanagement konzentrieren. Die Softwareentwicklung werden wir von Deutschland aus machen. Wir freuen uns darauf, dass wir uns in Österreich vom Umsatz her steigern, wachsen und damit neue Kollegen begrüßen können.


Mit „Profital“, einer Kooperation mit der Schweizer Post, sind Sie mit digitalen Prospekten in der Eidgenossenschaft aktiv. Waren sie schon länger auf der Suche nach einer Erweiterung in Österreich?
Thym: Mit unserer Barcode-Scan-App „Barcoo“ waren wir ja auch schon einige Zeit in Österreich unterwegs und hatten hier auch Kunden, daher gab es schon eine gewisse Nähe. Wir haben dann nach Partnern gesucht, die passen könnten, und sind bei der STYRIA fündig geworden. Die Skalierung, die mit dieser Partnerschaft verbunden ist, gewinnt am Ende des Tages.


Warum ist die STYRIA der richtige Partner für Offerista?
Thym: In unseren Gesprächen haben wir zwei Faktoren wahrgenommen: Dass man bei der STYRIA langfristig denkt, aber es gleichzeitig auch den Anspruch gibt, groß zu wachsen. Das passte wie die Faust aufs Auge zu unserer Strategie. 


Wie unterscheidet sich der deutsche vom österreichischen Markt?
Thym: In Deutschland ist der Konkurrenzkampf durch die höhere Zahl an Mitbewerbern sicher ein härterer als in Österreich. Aber grundsätzlich möchte der Handel in beiden Ländern digital Gas geben. Wir sind nun mit Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich in vier europäischen Ländern am Markt. Wenn in einem Land etwas gut funktioniert, versuchen wir, es auf die anderen auszurollen.


Zum Beispiel?
Thym: Unser Publisher-Netzwerk. Die eigene Reichweite ist zwar super, aber der Handel will mehr. Deswegen arbeiten wir in Deutschland mit mehr als 40 Publishern zusammen. Der Kunde bekommt durch uns die Möglichkeit, bei großen, interessanten Publishern in seiner Region nativ integriert zu werden, etwa bei FOCUS online. Wir aggregieren, kümmern uns um die gesamte Aussteuerung und um das Reporting. Wir sind der zentrale Ansprechpartner für jeden Händler, egal wie groß. Das ist ein super Hebel. Hier gibt es eine wachsende Nachfrage, und diesen Bedarf wollen wir auch in Österreich decken. 


Ist das auch eine Möglichkeit, um die Marktführerschaft in der DACH-Region auszubauen?
Thym: Sicherlich. Wobei man sagen muss: Es gibt auch keinen anderen Anbieter, der im digitalen Handelsmarketing in allen drei Ländern unterwegs ist. Aber natürlich: Es geht uns darum, kontinuierlich zu investieren, innovativ zu sein und den Kunden etwas bieten zu können, um ihnen messbar mehr Umsatz zu verschaffen. Raffiniertere Targeting-Möglichkeiten gehören hier sicher dazu sowie die Messung der Kundenfrequenz und des Umsatzbeitrags. Store-Visit-Messungen bieten wir seit 2015 an und waren damit europaweit unter den Ersten.


Wie wird sich das Einkaufsverhalten oder die Suche nach dem Produkt in Zukunft gestalten?
Thym: Jeder Konsument wird künftig mehrere Shopping-Bots nutzen. Wir sprechen bald von einer personalisierten Shopping-Bot-Welt. Diese Thematik wollen wir weiterentwickeln, denn das Potenzial darin ist enorm. Ich würde sogar sagen: Es ist eine digitale Disruption, die sich im Shopping-Bereich abspielt, und da wollen wir Händlern und Nutzern zur Seite stehen.


Zur Person: Benjamin Thym (38) ist Geschäftsführer und Mitgründer der Offerista Group, Firmensitz ist in Berlin. Vor seiner Tätigkeit für Offerista hat der Diplom-Wirtschaftsinformatiker 2009 den Dienst „barcoo“ mitgegründet und ihn zu einer der erfolgreichsten Shopping-Apps (17 Mio. Downloads) in den Download-Stores der DACH-Region gemacht. 

Das Interview führte Philipp Lackner (Corporate Communication Styria Media Group).