„Bleibt euren Werten treu“

Er und sein Team haben die STYRIA-Marke „24sata“ zum Nummer-Eins-Medium in Kroatien geformt: Nach 15 Jahren verlässt Geschäftsführer Boris Trupčević nun das Unternehmen. Zum Abschied blickt der 44-Jährige im Interview auf das Erreichte zurück, geht auf Herausforderungen in der Zukunft ein, erzählt, was er (nicht) vermissen wird - und gibt eine wertvolle Botschaft mit auf den Weg.

VON PHILIPP LACKNER

Als du bei der STYRIA begonnen hast, meintest du, du bleibst 5 Jahre, am Schluss wurden es doch 15. Was hat dich dazu bewogen, noch länger zu bleiben als ursprünglich geplant?

BORIS TRUPČEVIĆ: Ich hatte als Young Professional diese Sichtweise aus US-amerikanischen Büchern, niemals länger als vier oder fünf Jahre im selben Job zu sein. Das sollte die beste Frequenz sein, um Erfahrungen zu sammeln und sich selbst Schritt für Schritt verwirklichen zu können. Als ich bei 24sata vor 15 Jahren anfing, habe ich Klaus Schweighofer gesagt: „Wenn du mich in fünf Jahren noch brauchst, habe ich einen schlechten Job gemacht.“ Denn mein Prinzip war es immer: Wenn du dich als Manager in einer gewissen Zeit nicht überflüssig machst, bist du kein guter Manager, denn du hast es nicht geschafft, ein sich selbst tragendes Unternehmen und eine sich selbst tragende Organisation unter dir aufzubauen. Aber das Projekt „24sata“ überstieg letztlich alle Erwartungen. Es wurde so ein großer Erfolg und es kamen mehr und mehr Herausforderungen dazu. Das Gute dabei war: Ich konnte innerhalb von 24sata häufig die beruflichen Positionen wechseln. Es war also mehr „drei mal fünf Jahre“ als „einmal 15 Jahre“.

Was sind die Gründe, weshalb du die STYRIA nun verlässt?

TRUPČEVIĆ: 15 Jahre sind eine lange Zeit. Ich fühlte einfach, dass es die richtige Zeit war, etwas Neues und völlig anderes auszuprobieren.

Was wirst du in Zukunft machen?

TRUPČEVIĆ: Ich kann noch nicht zu viel verraten, aber ich werde zu einem Unternehmen gehen, das abseits der Medienindustrie und sehr international tätig ist. Mein Fokus wird auch sehr international ausgerichtet sein.

Das heißt, du wirst viel unterwegs sein?

TRUPČEVIĆ: Ja, in meinem Kopf und natürlich auch physisch.

Es ist bemerkenswert, was du mit deinem Team mit 24sata erreicht hast. Nummer-Eins-Medium in Kroatien, zahlreiche internationale Auszeichnungen, so viel Innovation, zum Beispiel im Videobereich, dann der digitale Re-Invent- geht da überhaupt noch mehr? 

TRUPČEVIĆ: In meiner Erfahrung ist es immer ein Problem, wenn du so viel erreichst und eine dominante Marktposition eingenommen hast. Es ist dann schwierig, welches Ziel man sich als nächstes steckt, außer, die Nummer-Eins-Position zu verteidigen. Aber die Welt, in der wir leben, hat so viele Dimensionen. Um es so zu formulieren: Auch, wenn wir etwa auf der Vertikalen schon viel geschafft haben, gibt es immer noch eine Menge auf der Horizontalen zu bewältigen. Ich glaube, speziell im Video-Bereich ist noch so vieles möglich. Natürlich wird es da einen enormen Konkurrenzkampf geben, aber es kann sich auch großer Erfolg einstellen, nicht nur, was Zugriffe angeht, sondern auch, was die Einnahmen aus dem Werbemarkt betrifft. Die Welt ändert sich schnell und es gibt immer etwas Neues, worauf du deinen Fokus lenken kannst. Auch die Gesellschaft ändert sich und hier wird es auch weiterhin unsere Aufgabe sein, die gute Kraft zu sein. Das ist ein ständig anhaltender Prozess.

Das heißt, deine Kollegen werden sich in Zukunft nicht langweilen.

TRUPČEVIĆ: Niemals. Das ist sicher.

Zurückzukommen auf die Rolle der STYRIA in der Kroatien: Welche Position nimmt sie ein, auch in wirtschaftlicher Sicht?

TRUPČEVIĆ: Die STYRIA ist definitiv ein außergewöhnlicher Player auf dem kroatischen Markt, nicht zuletzt wegen des Innovationsgeistes und des offensiven Umgangs mit der digitalen Transformation. Sie wird hier auch weiterhin an vorderster Front stehen. Sie ist das größte Publishing-Unternehmen im Land und das bringt natürlich auch eine große gesellschaftliche und wirtschaftliche Verantwortung mit sich. Die Art, wie die STYRIA mit dieser Verantwortung umgeht, halte ich persönlich für sehr gut, mit allen ihren Marken. Indem sie alle aktiv versuchen, diesem Land eine Vision zu geben und die soziale Agenda voranzutreiben, im Sinne von Reformen, die dringend nötig sind, um Kroatien nach vorne zu bringen. In diesem Zusammenhang haben wir in der Vergangenheit eine Vielzahl von Kampagnen; Konferenzen und Initiativen gestartet, die alle eines gemeinsam haben: Fortschritt für Kroatien zu erzielen.

In welche Bereiche sollte die STYRIA in Kroatien künftig investieren?

TRUPČEVIĆ: Das ist eigentlich recht einfach zu beantworten. Das erste Ziel sollte es sein, Pionier im Bereich der digitalen Abonnements zu sein. Das heißt, die meisten User zu zahlenden Usern zu machen. Da ist Kroatien noch Neuland. Das zweite Ziel sollte sein, in Video zu investieren. Auch global sieht man, dass es beim Medienkonsum und beim Werbegeld einen großen Shift von TV zu Video gibt. Dieser Trend ist klar. Hier gibt es für die STYRIA eine sehr aussichtsreiche Gelegenheit, das Portfolio zu bereichern. Und drittens: Die STYRIA sollte ein Auge auf Start-ups haben, die im Medienbereich tätig sind. Zum Beispiel lokale Native-Advertising-Agenturen.

Du hast auf Facebook gepostet, dass du mit dem, was du erreicht hast, sehr zufrieden bist. Was im Besonderen?

TRUPČEVIĆ: Generell bin ich sehr zufrieden, mit dem, was wir alles erreicht haben. Mein persönlicher Traum war es als Journalist, ein Tabloid hochzuziehen mit dem gleichen hochwertigen Content wie die so genannten Qualitätsmedien. Ich wusste, wir können das auch in Kroatien schaffen, ähnlich erfolgreich wie das schon in anderen Märkten funktioniert hat, aber auch anders, als die Old-School-Tabloids. Ich wusste auch: Das kann Spaß machen! Und ich wusste, dass man den gewöhnlichen Menschen so eine Stimme geben kann, jenen, die oft nicht gehört werden. Das wurde wahr. 24sata wurde ein Riesenerfolg. Das ist wahrscheinlich das Befriedigendste überhaupt, weil es so fernab jeglicher Erwartung lag. Man muss auch dazusagen: 24sata war der letzte erfolgreiche Zeitungsstart in Europa. Dann die digitale Transformation: Es gab ein innovatives Projekt nach dem anderen, währenddessen haben wir eine großartige Mannschaft geformt. Kein Unternehmen in der Region ist digital so weit gegangen wie wir.

Worauf warst du vielleicht weniger stolz?

TRUPČEVIĆ: Man kann natürlich nicht immer nur Erfolg haben. Unser „News Television“ hat zum Beispiel nicht funktioniert, aus mehreren Gründen. Hauptsächlich deswegen, weil wir geglaubt haben, dass wir alles können und unser Portfolio damit ergänzen müssen. Wir hatten starke Konkurrenz und ein falsches Timing, der Launch fiel damals genau in den Beginn der Wirtschaftskrise. Bei unserem E-Commerce-Projekt „Mondo“ waren wir wahrscheinlich zu spät dran und haben unsere Fähigkeiten vielleicht etwas überschätzt.

Was war die größere Herausforderung? Eine Zeitung aus dem Boden zu stampfen oder die digitale Transformation bestmöglich zu meistern?

TRUPČEVIĆ: Das ist eine wirklich interessante Frage. Der Erfolg der Print-Zeitung war bildlich gesprochen ein Sprint. In einem Zeitraum von sechs bis 12 Monaten war klar, dass wir den Markt gewinnen. Das war wirklich schnell. Die digitale Transformation ist dagegen ein Marathon. Ich würde sagen, die Transformation war und ist die weit größere Herausforderung. Bei der Print-Zeitung wussten wir, was zu tun war und wir haben es schnell getan. Die digitale Transformation zu stemmen ist doch etwas anderes. Die Konsumentenverhalten ändert sich ständig, das hat man zum Beispiel beim Schwenk auf die mobile Devices gesehen. Man muss sich ständig neu erfinden.

Welche Werte haben 24sata zu dem starken und erfolgreichen Medium gemacht, das es heute ist?

TRUPČEVIĆ: Die klare Stimme des Volkes zu sein, und zwar in einer einfachen und verständlichen Sprache. Komplexe Inhalte der breiten Öffentlichkeit zu erklären und die Interessen der Leser zu wahren. Was die Leute wirklich schätzen, sind unsere kurzen Artikel. Das Wesentliche komprimiert in wenigen Zeilen zu schreiben ist die hohe Kunst des Journalismus. Ehrlich zu sein, fair zu bleiben und den Entscheidern im Land die Wahrheit zu sagen – das sind wir.

Wie wird 24sata in 15 Jahren aussehen?

TRUPČEVIĆ: Schwierig, das zu beantworten. Aber ich glaube, dass 24sata auch 15 Jahren zu seinen Werten stehen wird und die Nummer Eins unter den kroatischen Medien sein wird. Aber in einem Multimedia-Umfeld, das informieren und erklären, aber genauso weiterhin unterhalten und Spaß machen wird.

Du wirst als Berater weiterhin für die STYRIA aktiv sein. Was ist hier deine Aufgabe?

TRUPČEVIĆ: Das stimmt, ich werde weiterhin als Consultant zur Verfügung stehen. Ich habe in den vergangenen 25 Jahren so viel Medienerfahrung gesammelt, dass es schade wäre, diese nicht weiterhin zu teilen. Ich werde für das 24sata-Team künftig hauptsächlich in strategischen Angelegenheiten da sein und werde hier helfen, Herausforderungen zu meistern. Mit gesammeltem Wissen lassen sich manchmal innerhalb von Minuten Lösungen anbieten und man kann anderen Menschen Stunden, Tage oder sogar Wochen harter Arbeit ersparen.

Was wirst du vermissen?

TRUPČEVIĆ: In einem Wort: alles. In mehr als einem Wort: Ich werde alle meine Kolleginnen und Kollegen vermissen. Das Arbeiten mit Enthusiasten, mit Pionieren, die sich trauen, Dinge anders anzugehen. Menschen, mit denen es großartig ist, zusammenzuarbeiten. Was ich noch vermissen werde: Journalismus und Medien. Die ganze Aufregung, dieses intensive Auseinandersetzen mit kritischen Themen, der kreative Prozess des Herunterbrechens von Exklusivinformation an die Leser und User, manchmal in einer sehr lustigen, manchmal in einer doch ernsten Art und Weise.

Und was wirst du eher nicht vermissen?

TRUPČEVIĆ: Die Anrufe von Leuten, die versuchen, unsere Berichterstattung zu beeinflussen. Anrufe von Leuten, die wollen, dass wir etwas gar nicht publizieren. Den Druck von außen, gewisse Themen auf eine bestimmte Art zu framen – das werde ich auch nicht vermissen. Sicher, das ist alles Teil des eines Medienjobs, aber darum tut es mir keine Sekunde leid.

Welche Botschaft hast du an dein Team?

TRUPČEVIĆ: Bleibt euren Werten treu, macht keine faulen Kompromisse, versucht, anders zu denken und setzt eure Ziele hoch. Bleibt offen für Veränderung, wahrt eine offene Geisteshaltung, seid flexibel und pragmatisch. Es gibt nur ein Hindernis, das zwischen euch und dem Erfolg steht - das seid ihr selbst. Wenn ihr das erkennt, könnt ihr alles erreichen!